Thema Fahrradverkehr - Antworten an den ADFC

Antworten zum Fragenkatalog des ADFC

Wiebke Hansen

 

Sehr geehrter Herr Düsterhöft, sehr geehrte Fahrradfreunde,

 

Vielen Dank für Ihre ausführlichen Fragen zu meinen Vorstellungen im Bereich Klimaschutz und Verkehrswende, mit besonderem Augenmerk auf den Fahrradverkehr.

Ich stelle meinen Antworten vorweg einen Auszug aus meinem Wahlprogramm:

 

Mobilität in Schleswig neu denken
Die Innenstadt soll bequem, sicher und zuverlässig von Jung und Alt auch ohne Auto erreichbar sein. Deshalb brauchen wir intelligente Strategien zur Kopplung von Verkehrsmitteln. Dies erreichen wir durch ein flächendeckendes Radwegenetz, das alle Stadtteile verbindet und für unsere Kinder die Schulwege sicherer macht, einen starken ÖPNV und attraktive Carsharing- und Fahrradverleih-Angebote.

Konkret werde ich:

  • mich für eine intelligente Kopplung von Verkehrsmitteln einsetzen.

  • den Beschluss zur fahrradfreundlichen Stadt entschlossen umsetzen.

  • Anreize für die Nutzung des ÖPNV schaffen.

  • ein Parkleitsystem mit dezentralen Parkmöglichkeiten einführen. Dieses soll auch die privaten Parkflächen mit einbeziehen.

  • Parkraumbewirtschaftung als Baustein für eine lebenswertere Innenstadt für alle nutzen.

  • Schulwege zu Fuß und mit Fahrrad sicherer machen, z.B. durch klare Kennzeichnung und seitliche Begrenzungen.

Zu Ihren Fragen:

  1. Wie stellen Sie sich die weitere Umsetzung der Fahrradfreundlichkeit in Schleswig vor?

  • Die Umsetzung der bereits gefassten Beschlüsse scheitert im Moment an der unglücklichen Personalsituation im Bauamt. Diese werde ich aktiv angehen und – wo nötig – neue Wege des Recruiting suchen. Der Beitritt zu RAD.SH ist bereits beschlossen und wird umgesetzt. Dort haben wir die Möglichkeit, Expertise u.U. auch von aussen dazuholen und damit die Arbeiten an unserem Radwegenetz unabhängig von der Situation im Bauamt voranzubringen.

  • Durchlässigkeit der Nord-Süd Verbindungen: die heute bestehenden Einbahnstrassen machen es für die Radfahrer und insbesondere auch für die Schülerinnen und Schülern nicht immer einfach von ihrer Schule in die Wohngebiete zurückzukommen. Hier denke ich insbesondere an den Domziegelhof und die Lange Strasse: hier sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass Radfahrer in beide Fahrtrichtungen fahren können.

  1. Wie wollen Sie gewährleisten, dass zumindest die vorhandene Fahrradinfrastruktur (z. B. Schutzstreifen) erhalten bleibt und die Vorgaben des Regelwerks ERA 2010 umgesetzt werden?

  • Beitritt zu rad.sh – Andreas Tietze, der Grüne Sprecher für Mobilität, Wohnungsbau und Touristik im Landtag, ist am 14.08 bei uns im Kreisbahnhof zu genau diesem Thema: wie können wir Experten dazugewinnen und die bewilligten Fördertöpfe nutzen.

  • Die beschlossene Verkehrs AG sollte ihre Arbeit aufnehmen. Im Moment hat die Verwaltung dazu geraten, die Verkehrs AG erst mit Eintritt des neuen Verkehrsplaners starten zu lassen, da nur so die gesetzlichen Vorgaben von Beginn an berücksichtigt werden können. Ich halte es für wichtig, schnellstmöglich zu starten und die der Verwaltung zugedachte Position z.B. im Interim durch einen der vorhandenen fachkundigen Mitarbeitern zu besetzen.

  1. Welche Prioritäten werden Sie bei der Umsetzung der Fahrradfreundlichkeit setzen? Welche konkreten Maßnahmen planen sie in der kommenden Amtsperiode?

Wie in meinem Programm beschrieben: im Sinne der Klimaschutz-Ausrichtung bekommen die Fahrradprojekte eine höhere Priorität, die ihre Umsetzung sicherstellt.

 

Konkret:

  • Umsetzung der Achse Bahnhof – Freiheit

  • Fahrradständer an Umsteigepunkten: Bahnhof, Parkhaus, Innenstadt, Endstationen der Busse, Einkaufszentren

  • Festlegung eines Radwegstandards, der bei allen Strassenarbeiten Anwendung findet, damit langfristig alle Radwege klar gekennzeichnet sind

  • Kurzfristig: Erstellung eines Kataloges “Durchgehende Radwege”, in dem derzeitige schlechte Markierungen gesammelt und regelmäßig abgearbeitet werden (z.B. Im Nichts endende Radwegmarkierungen). Hier können Radclubs und Stadt gut zusammen arbeiten.

  1. Was verstehen Sie konkret unter Fahrradfreundlichkeit und wie wichtig ist es Ihnen, in Schleswig eine echte Verkehrswende voranzutreiben?

Fahrradfreundlichkeit bedeutet für mich, dass die Schleswiger sicher alle Orte in Schleswig erreichen können: die Kinder ihre Schulen, Einkaufende die Innenstadt und Einkaufszentren, Touristen gut ausgeschilderte Wege durch Schleswig und ins Umland. Das beinhaltet neben den klar abgegrenzten Wegen, durch Farbe oder Untergrund, ebenfalls sichere Abstellmöglichkeiten. Bereits heute finden wir an einigen Stellen der Stadt Metalbügel zum sicheren Abschliessen der z.T. wertvollen Räder. Diese Abstellmöglichkeiten müssen ebenfalls an wichtigen Stellen ausgeweitet werden: am ZOB bzw. im Parkhaus, vermehrt am Bahnhof, in der Nähe der Aufenthaltsorte der Innenstadt. Dies sind relativ schnell und einfach umzusetzende Massnahmen, die sofort den verstärkten Fokus auf den Fahrradverkehr deutlich machen.

  1. Können Sie sich zur Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit und vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen (#FridaysForFuture, #ScientistsForFuture) auch einen „großen Wurf“ der Verkehrswende vorstellen, z. B. die Umsetzung der bereits vor Jahren vom Rat beschlossenen flächendeckenden Beschränkung auf Tempo 30, die Schließung weiterer Straßen für den motorisierten Individualverkehr (wie jetzt in Bremen beschlossen) oder die deutliche Aufwertung von ÖPNV und Radverkehr durch eine gezielte Verknüpfung dieser Verkehrsmittel?

Dort, wo die Infrastruktur gut und sicher ist, steigen die Menschen auch um und lassen ihr Auto stehen. Diese Infrastruktur ist also mein Ziel: Fahrrad – Abstellmöglichkeiten – ÖPNV.

 

Ich habe mit mehreren grünen Verkehrsexperten diesen Punkt diskutiert. Tempo 30 bzw. Achtsames Fahren findet in vielen Wohngebieten bereits statt, es gibt weiter die schnell befahrenen Achsen (u.a. Flensburger Strasse, Berliner Strasse, Königsstrasse usw.), die alle durchgehend gut gestalteter Fahrradwege bedürfen. Dort, wo bereits Erneuerungsmassnahmen stattgefunden haben, ist der Fahrradweg schon in gutem Zustand, die Flensburger Strasse ist hier eher ein Negativ-Beispiel. Natürlich ist es mein Ziel, diesen Zustand zu ändern.

 

Die intelligente Verknüpfung der Verkehrsmittel ist, wie Sie meinem Programm entnehmen können, ebenfalls eines meiner Ziele: Zug und Bus aufeinander abgestimmt, das in Nordfriesland gerade etablierte Rufbus-System sollten wir für Schleswig ebenfalls in Betracht ziehen.

 

Weiter halte ich eine gezielte Lenkung des Autoverkehrs auf gut ausgeschilderte, ÖPNV angebundene Parkplätze mit sichtbaren Informationstafeln zu Fahrradwegen, Wanderwegen und Entfernungen zu touristischen Punkten für wichtig.

 

Sie fragen nach dem “großen Wurf”. Ich bin überzeugt, dass wir die Lebensqualität in Schleswig durch ein übergreifendes gemeinsames Ziel verbessern können. Ein übergreifendes Ziel kann aber nicht ausschliesslich “fahrradfreundliche Stadt” sein. In meinem Verständis ist “Klimaneutral bis 2040” so ein übergreifendes Ziel, in das sich die Massnahmen zur Verstärkung des Radverkehrs ganz natürlich einfügen.